Lost in translation – die EU und ihre 24 Amtssprachen

The Tower of Babel by Pieter Bruegel the Elder (1563)

Kann eine alleinige EU-Amtssprache das Übersetzungschaos beenden?

Die 24 offiziellen Sprachen der Europäischen Union machen die Gesetzgebung und Verwaltung in Brüssel kostspielig. Englisch oder Esperanto als “lingua franca” der EU könnten eine Alternative sein, benachteiligen aber Menschen, die diese Sprachen nicht sprechen.

As you have already noticed, I have written this post in German. I am taking part in today’s 2013 Day of Multilingual Blogging, but will make an English version available for you tomorrow.

Die Sprachdienste der EU übersetzten alle EU-Regulierungen in die 24 offiziellen Amtssprachen. Sprecher im Europaparlament können in jeder der Sprachen mit simultaner Übersetzung Reden halten. Außerdem können Bürger aus Mitgliedsstaaten in jeder dieser Sprachen mit EU-Behörden in Kontakt treten.

Dieser enorme Übersetzungsapparat und die entsprechenden Kosten stehen immer wieder in der Kritik. Shada Islam vom Thinktank Friends of Europe kritisierte den Aufwand als kostspielig, unproduktiv und unnötig. Gegenüber PRI sagte sie: “We’re spending too much time and energy on this language issue.”

Es gibt zahlreiche Alternativvorschläge:

  • Englisch als alleinige Amtssprache: Dieser Vorschlag erscheint aus praktischer Sicht umsetzbar, Kritiker bemängeln jedoch, dass er die Kräfteverhältnisse zugunsten englischsprachiger Nationen verschieben würde.
  • Begrenzte Anzahl offizieller Sprachen: Auch bei diesem Vorschlag ist Kritik von Mitgliedsstaaten zu erwarten, die sich benachteiligt fühlen, obwohl er mit Sicherheit fairer ist als Englisch als alleinige „lingua franca“. Der Verwaltungs- und Übersetzungsaufwand wäre wiederum höher.
  • Esperanto als alleinige Amtssprache: Die politische Bewegung Europe Democracy Esperanto fordert die Einführung der erfundenen Plansprache Esperanto auf EU-Ebene. Die Bewegung argumentiert, dass damit kein Land benachteiligt würde. Allerdings sprechen nur wenige Menschen Esperanto: Optimistische Schätzungen belaufen sich auf zwei Millionen Menschen weltweit.

Der springende Punkt der Diskussion ist das EU-Motto „united in diversity“, das sicherstellen soll, dass die Verschiedenheit der einzelnen Mitgliedsstaaten in der EU repräsentiert ist.

Würde die Einführung von Englisch als „lingua franca“ zu Ende kultureller Diversität führen? Ich bin geneigt mit Shada Islam übereinzustimmen:

„The world is moving fast, the world is moving ahead and we need to be looking at other ways of fostering diversity and inclusiveness. You do really need to have a common understanding and I think that’s where English came in as the natural language that everyone spoke.”

In der EU gibt es 24 offizielle Arbeitssprachen: Bulgarisch, Kroatisch, Tschechisch, Dänisch, Niederländisch, Englisch, Estländisch, Finnisch, Französisch, Deutsch, Griechisch, Irisch, Italienisch, Lettisch, Litauisch, Maltesisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Slowakisch, Slowenisch, Spanisch, Schwedisch und Ungarisch.

One thought on “Lost in translation – die EU und ihre 24 Amtssprachen

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